Pflanzenart
Cichorium intybus
L.
Wegwarte
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Ein zweijährige oder mehrjährige krautige Pflanze mit einem Pfahlwurzelapparat, der lang, oft zylindrisch oder konisch und verzweigt ist. Die Wurzel sondert beim Durchschneiden einen weißen Milchsaft mit bitterem Geschmack ab. Der Stängel ist aufrecht, robust, meist 20 bis 150 cm hoch, verzweigt mit steifen und auseinanderstehenden Zweigen, gekennzeichnet durch eine raue Oberfläche mit nach unten gerichteten Haaren, manchmal bei den niedrigeren Formen fast kahl.
Die Grundblätter bilden eine Rosette, sind gestielt und besitzen eine krautige Blattspreite, die besonders in trockenen Klimazonen oft behaart ist; sie können von ungeteilten und ungezähnten Blättern bei den ersten Blättern bis zu unregelmäßig gefiedert-geteilten mit spitzen dreieckigen Segmenten bei den folgenden variieren. Die Farbe variiert von dunkelgrün bis leicht rötlichen Tönen, besonders entlang der Nerven. Die Stängelblätter sind wechselständig, sitzend, mit unteren Blättern, die gelappt und auf der Oberseite behaart sind, während die oberen, kleineren Blätter lanzettlich und teilweise den Stängel umhüllend sind.
Die Blütenstände bestehen aus ligulierten Köpfchen, die meist in kleinen Gruppen von 2-3 oder einzeln stehen, getragen von kurzen oder langen Stielen, die manchmal an der Spitze verdickt und leicht angeschwollen sind. Die Hülle ist zylindrisch, aus zwei Reihen von ledrigen und bewimperten Hüllblättern gebildet, wobei die äußeren kürzer und oval sind und die inneren lanzettlich und aufrecht. Die Blüten sind alle liguliert, mit einer Zunge, die in fünf Zähne geteilt ist, von intensiv blauem Farbton, es können aber auch weiße oder blassrosa Varianten auftreten. Die Blütenstände schließen sich am Nachmittag oder bei schlechtem Wetter.
Die Früchte sind sandfarbene Achänen, subzylindrisch oder obovoid, mit rauen Rändern und fünf wenig ausgeprägten Seiten. Sie sind von einem Pappus aus kleinen, sehr kurzen Schuppen bedeckt, die etwa ein Zehntel bis ein Achtel der Länge des Achäns betragen und die Verbreitung erleichtern.
Habitat und Verbreitung
Die Gemeine Wegwarte ist in ganz Italien weit verbreitet, in allen Regionen von der Ebene bis etwa 1.200 Meter Höhe anzutreffen. Im Mittelmeerraum findet man sie in ähnlichen Habitaten, von der Ebene bis zu niedrigen Hügel- und Bergregionen.
Sie bevorzugt offene Lebensräume wie Grasflächen, brachliegende Felder, Straßen- und Wegesränder, oft auf gut durchlässigen und sonnigen Böden, passt sich aber auch leicht trockeneren Bedingungen an. Sie kann auf Böden unterschiedlicher Beschaffenheit wachsen, von sehr fruchtbaren bis zu armen Böden, mit meist voller oder teilweiser Beschattung.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich hauptsächlich von Juni bis September, mit leichten Schwankungen je nach Höhe und lokalem Klima. Manchmal sind bereits ab Mai Blüten zu beobachten, besonders in gemäßigten Klimazonen oder in tieferen Lagen.
Ökologie und Bestäubung
Die Gemeine Wegwarte ist eine entomogame Art, die vorwiegend von bestäubenden Insekten, insbesondere Bienen, Hummeln und anderen Hautflüglern, bestäubt wird, die von der lebhaften blauen Blütenfarbe und dem Nektar angezogen werden. Die Anwesenheit eines reduzierten Pappus deutet darauf hin, dass die Samenverbreitung hauptsächlich durch den Wind erfolgt, wenn auch in begrenztem Maße, wahrscheinlich unterstützt durch Tiere oder mechanischen Transport.
Die Pflanze ist eine gute Melliferapflanze und bietet während der Sommerzeit nützliche Ressourcen für Bienenstöcke und andere bestäubende Insekten.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Die Gemeine Wegwarte wird seit Jahrhunderten wegen ihrer vielfältigen medizinischen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften geschätzt. In der Antike war ihre Verwendung bereits etabliert: Die Ägypter erwähnten sie vor 4.000 Jahren im Papyrus Ebers als therapeutisches Mittel, während die Griechen, wie Galen, sie als „Freund der Leber und nicht schädlich für den Magen“ betrachteten. In der römischen Zeit wurde sie als Gemüse angebaut, und der lateinische Dichter Horaz schätzte sie.
Die Blätter mit ihrem leicht bitteren Geschmack werden sowohl roh in Salaten als auch gekocht verwendet, wegen ihres charakteristischen bitteren Geschmacks und ihres Nährstoffreichtums. In Kriegs- oder Krisenzeiten wurden die gerösteten Wurzeln als Kaffeeersatz verwendet, eine Praxis, die im 17. Jahrhundert nach Europa eingeführt wurde.
Medizinisch enthält die Pflanze sesquiterpenische Laktone, Derivate der Kaffeesäure, Hydroxycumarine, Flavonoide, Vitamine und Mineralstoffe. Sie ist bekannt für ihre harntreibenden, mild abführenden, entzündungshemmenden, fiebersenkenden und leber- sowie gallenblasentonisierenden Eigenschaften. Die enthaltene dicaffeoyltartarische Säure macht sie zu einem nützlichen Entgiftungsmittel und unterstützend bei Schlankheitskuren. Außerdem werden frische oder gekochte, zerstoßene Wurzeln als beruhigende und erfrischende Maske für gereizte oder gerötete Haut verwendet.
Im ethnobotanischen Bereich wurde die Wegwarte mit magischen Praktiken in Verbindung gebracht: Man glaubte, die Wurzel könne unsichtbar machen. Verschiedene Volkslegenden, wie die rumänische der „Domna Floridor“ oder der deutsche Name „sponsa solis“ (Braut der Sonne), zeugen von ihrer symbolischen Rolle in Bezug auf Sonne und Mäßigung. Die Blumensprache identifiziert sie mit Genügsamkeit und Mäßigung.
Etymologie
Der Gattungsname „Cichorium“ scheint vom griechischen „kikhória“ abzuleiten zu sein, wahrscheinlich verbunden mit „kikhéo“ (ich finde, ich suche) und „óros“ (Berg), möglicherweise in Bezug auf das Gebirgshabitat oder die leichte Auffindbarkeit der Pflanze. Der Artname „intybus“ stammt vom griechischen „éntubon“, einem Begriff, der dem italienischen Indivia entspricht, mit dem sie historisch oft verwechselt oder assoziiert wurde.
Der italienische gebräuchliche Name „cicoria“ leitet sich direkt vom lateinischen cichoria ab, das wiederum aus dem Griechischen stammt und sich auf die bittere und essbare Pflanze bezieht, die seit der Antike bekannt ist.
Quellen
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (actaplantarum.org)
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (scheda di Marinella Zepigi)
- Tela Botanica / H. Coste, „Flore descriptive et illustrée de la France“
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (9 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Asteraceae
- Vollständiger Name
- Cichorium intybus L.
- Synonyme
- Cichorium intybus L. subsp. glabratum (C.Presl) Arcang.; Cichorium intybus L. subsp. spicatum I.Ricci
- Lebensform
- Emicriptofite scapose
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