Pflanzenart
Jasione montana
L.
Berg-Jasione
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Einjährige oder zweijährige krautige Pflanze, manchmal auch ausdauernd, die eine Höhe zwischen 10 und 80 cm erreichen kann, mit aufrechtem oder aufsteigendem Wuchs und meist von der Basis an verzweigten Stängeln. Der Stängel ist stängellos, robust und zeichnet sich durch eine behaarte oder filzige Oberfläche aus, besonders an der Basis, wo ein rauer Filz zu finden ist. Die Verzweigungen können zahlreich sein, wodurch die Pflanze ein buschiges Aussehen erhält.
Die Blätter sind überwiegend grundständig, fallen zur Blütezeit ab, sind sitzend und leicht am Stängel herablaufend. Die Form variiert von linear bis länglich, umgekehrt lanzettlich oder spatelförmig, mit typischen Größen zwischen 7 und 55 mm Länge und 1,5-10 mm Breite. Der Blattrand ist ganz oder fein gekerbt, mit welligen Rändern und krautiger Konsistenz, während die Oberfläche eine raue Behaarung und randständige Haare aufweist. Die Stängelblätter sind spiralig angeordnet, mehr lanzettlich oder länglich-lanzettlich und werden zum Stängelende hin kleiner.
Die Blüte ist ein kugeliger oder fast kugelförmiger Köpfchenblüte mit einem Durchmesser von 1 bis 3 cm, bestehend aus zahlreichen kleinen Blüten, von 5 bis zu 300 pro Köpfchen, die in einem kompakten Büschel zusammengefasst sind. Das Köpfchen wird von einem langen Stiel getragen, der glatt oder im oberen Teil mit vereinzelten Haaren besetzt sein kann und bis zu 25 cm lang werden kann. Die Hüllblätter des Köpfchens, in 1-3 Reihen angeordnet, sind elliptisch, eiförmig-dreieckig oder lanzettlich geformt, mit ganzrandigen oder leicht gezähnten Rändern, oft bewimpert und grün oder lilafarben.
Die Blüten sind blau, blau-violett oder lilafarben, manchmal auch weiß, mit einer Kronröhrenlänge von 3,5 bis 15 mm. Die Krone ist zunächst röhrenförmig, teilt sich dann bis zur Basis in fünf lineare und dünne Lappen, die strahlenförmig geöffnet sind. Der Griffel ragt über die Blütenblätter hinaus, mit einer zweilappigen, massenförmigen Narbe. Der Kelch ist kahl, mit linearen Lappen, die gleich lang oder länger als das Kelchröhrchen sind, ohne Borsten.
Die Frucht ist eine zweiklappige, dehiszente Kapsel, oval, mit einer Größe von 2 bis 5 mm, die 6 bis 8 braune, längliche Samen von etwa 0,7 x 0,2 mm enthält.
Das Wurzelsystem ist Pfahlwurzel-artig und verzweigt, fest im Boden verankert, ohne das Vorhandensein von Ausläufern.
Lebensraum und Verbreitung
Typische Art von Berg- und Hügellandschaften, bevorzugt sandige, silikatische, nährstoffarme und gut durchlässige Böden, oft auf sauren oder kalkmeidendem Substrat. Sie ist häufig in felsigen, brachliegenden Gebieten, mageren Wiesen und trockenen Weiden bis zu einer Höhe von 2000 Metern über dem Meeresspiegel anzutreffen.
In Italien ist sie in vielen Regionen verbreitet, vor allem in den Berg- und Vorbergzonen der Alpen und des Apennins, aber auch in tieferen Lagen mit sandigen oder silikatischen Substraten. Im westlichen Mittelmeerraum und in Europa kommt sie in ähnlichen Habitaten vor, von der Ebene bis in alpine Zonen, und erstreckt sich bis zum Kaukasus und Nordafrika.
Die Art bevorzugt sonnige oder teilweise schattige Standorte, mit einer Vorliebe für xerophile und meso-xerophile Umgebungen und passt sich an nährstoffarme Bodenverhältnisse an.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich allgemein von März bis September, mit einer Hauptblütezeit in den Sommermonaten von Juni bis September. In wärmeren oder mediterranen Klimazonen kann die Blüte früher beginnen und sich verlängern, während sie in kühleren Bergregionen meist auf die mittleren Sommermonate konzentriert ist.
Ökologie und Bestäubung
Die Pflanze wird von bestäubenden Insekten, insbesondere Bienen und anderen Hautflüglern, bestäubt, die von der lebhaften blau-violetten Farbe der Kronblätter sowie dem zugänglichen Nektar und Pollen angezogen werden. Die Form der Krone, die in lineare Lappen unterteilt ist, erleichtert Insekten mit dünnen Beinen den Zugang.
Die Samenverbreitung erfolgt hauptsächlich durch natürlichen Fall aus der dehiszenten Kapsel, kann aber auch durch Wind oder Tiere, die die Samen versehentlich transportieren, unterstützt werden.
Obwohl die Art zur Familie der Campanulaceae gehört, erinnert die Blüte oberflächlich an einige Asteraceae wie die Skabiosen, ist jedoch durch die Struktur von Frucht und Krone unterscheidbar.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Der gebräuchliche Name „Jährliche Witwe“ (Berg-Jasione) spiegelt die oft ein- oder zweijährige Natur der Pflanze wider, obwohl es auch ausdauernde Populationen und morphologische Varianten gibt.
In der Ethnobotanik wurde die Pflanze traditionell in der Volksmedizin wegen ihrer adstringierenden und wundheilenden Eigenschaften verwendet. Die getrockneten Blätter werden als Aufguss zur Erleichterung der Lösung von Bronchialkatarrhen und zur Behandlung von Verdauungsstörungen eingesetzt. Diese Anwendungen sind jedoch traditioneller Natur und nicht durch umfassende wissenschaftliche Belege gestützt.
Die Pflanze wird auch in Heuwiesen geschätzt, da sie vom Vieh, insbesondere Wiederkäuern, gerne gefressen wird. Die Blätter verströmen beim Zerreiben einen unangenehmen Geruch, eine Eigenschaft, die zum Schutz vor Pflanzenfressern beitragen kann.
Etymologie
Der Gattungsname „Jasione“ hat unsichere Ursprünge, und es wurden verschiedene Hypothesen vorgeschlagen. Eine mögliche Ableitung ist vom griechischen „casis“, das sich auf medizinische Eigenschaften der Pflanze beziehen könnte. Eine andere Hypothese verbindet den Namen mit dem mythischen Jason, dem berühmten Argonauten, während Linnaeus ihn möglicherweise ohne Bezug auf antike Pflanzen übernommen hat.
Das Epitheton „montana“ bezieht sich auf die Höhenverbreitung der Art, die häufig in Bergregionen gefunden wird, obwohl die Pflanze auch in hügeligen und ebenen Gebieten mit geeigneten Substraten vorkommt.
Der italienische gebräuchliche Name „Berg-Jasione“ weist auf den vorherrschenden Lebenszyklus der Art hin und unterscheidet sie von möglichen zweijährigen oder ausdauernden verwandten Arten oder Varietäten.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, „Flora d'Italia“
- Acta Plantarum - Flora der italienischen Regionen (Datenblatt von Marinella Zepigi)
- Tela Botanica / H. Coste, „Flore descriptive et illustrée de la France“
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (7 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Campanulaceae
- Vollständiger Name
- Jasione montana L.
- Synonyme
- Jasione echinata Boiss. & Reut.; Jasione montana L. subsp. echinata (Boiss. & Reut.) Nyman
- Lebensform
- Emicriptofite bienni
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