Pflanzenart
Legousia speculum-veneris
(L.) Chaix
Echter Frauenspiegel
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Einjährige krautige Pflanze, 10 bis 40 cm hoch, mit gut entwickelter Pfahlwurzel. Der Stängel ist aufrecht und vor allem im oberen Bereich verzweigt, manchmal kann er eine niederliegend-aufsteigende Wuchsform annehmen. Die Oberfläche des Stängels ist meist behaart, mit feinen Haaren, die eine leichte Behaarung verleihen.
Die Blätter sind sitzend und stehen paarweise gegenüber am Stängel. Die unteren Blätter sind eiförmig-spatelförmig, die oberen lanzettlich; beide haben eine leicht raue Oberfläche und wellige oder gekerbte Ränder. Die Größe variiert von 1 bis 3 cm Länge.
Die Blütenstände bestehen aus lockeren, wenigblütigen Trauben oder Rispen, mit zahlreichen und fast sitzenden Blüten, die in kleinen Dolden (Körbchen) angeordnet sind und eine endständige Rispe bilden. Die Blüten haben eine radiärsymmetrische Krone, das heißt mit einer kaum sichtbaren basalen Röhre, bestehend aus fünf tief bis fast zur Basis geteilten Kronblättern; die Lappen sind abgerundet-spitz und von glänzend dunkelvioletter Farbe, manchmal auch weiß, jedoch seltener. Der Durchmesser der Krone variiert von 1,5 bis 2,5 cm. An der Basis der Krone ist ein weißlicher oder hellgrüner Schlund (verbreiterter Rachen) zu sehen. Der Kelch besteht aus fünf linearen, leinenförmigen, ausgebreiteten oder sichelförmigen Zipfeln, die etwa die gleiche Länge wie die Kronblätter haben. Es sind fünf Staubblätter vorhanden, und der Fruchtknoten ist oberständig und synkarp mit drei Fruchtblättern.
Die Frucht ist eine prismatische oder spindelförmige, kantige Kapsel, 1 bis 1,5 cm lang, dreiklappig dehiszierend, die sich öffnet, um die Samen freizugeben.
Lebensraum und Verbreitung
Die Art ist vorwiegend im mediterranen Raum verbreitet, ihr Areal erstreckt sich jedoch nach Norden und Osten des kontinentalen Europas sowie im westlichen Asien und Nordafrika. In Italien ist sie fast im gesamten Staatsgebiet anzutreffen, von der Ebene bis etwa 1300 Meter Höhe, mit höherer Häufigkeit in den Hügellagen zwischen 500 und 800 Metern.
Sie wächst typischerweise in anthropogenen Lebensräumen wie Getreidefeldern, Weinbergen, Straßenrändern und Gräben, in sonnigen Bereichen mit meist gut durchlässigen Böden. Einst sehr häufig in Weizenfeldern, hat die Art aufgrund des intensiven Einsatzes von chemischen Herbiziden und selektiertem Saatgut einen Rückgang erfahren, was ihre Verbreitung insbesondere in traditionellen Agrarumgebungen eingeschränkt hat.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juli, mit einer stärkeren Konzentration in den Monaten Mai und Juni. In einigen Gebieten, vor allem im nördlicheren oder bergigen Bereich, kann die Blüte später beginnen oder kürzer andauern, während sie in mediterranen Regionen früher und länger andauern kann.
Ökologie und Bestäubung
Die Pflanze zeigt eine typische Fortpflanzungsstrategie der scapösen Therophyten, mit einer verlängerten Blütenachse, die oft blattlos ist. Die Blüten mit ihrer breiten und glänzenden Krone ziehen verschiedene bestäubende Insekten an, darunter Bienen und Hummeln, die die entomogame Bestäubung fördern. Die radiärsymmetrische Form der Krone erleichtert den Zugang zu Nektar und Pollen.
Die Samenverbreitung erfolgt hauptsächlich durch das Öffnen der dreikammerigen Kapseln, die die Samen in den umliegenden Boden freisetzen. Die Art ist an die schnelle Kolonisierung gestörter Böden, wie landwirtschaftlicher Flächen, angepasst und nutzt die Bedingungen traditioneller Bewirtschaftung.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Der gebräuchliche Name „Venusspiegel“ bezieht sich auf die flache und glänzende Form der Krone, die an einen Spiegel erinnert. In der Folklore und Ethnobotanik ist diese Pflanze nicht besonders bekannt für bedeutende medizinische oder kulinarische Anwendungen, vermutlich aufgrund ihres hauptsächlichen Wachstums in Kulturflächen und ihrer relativen Häufigkeit. Dennoch hat die Schönheit ihrer Blüten sie in einigen lokalen Kulturen als wild wachsende Zierpflanze geschätzt gemacht.
Etymologie
Der Gattungsname Legousia ist eine Hommage an den französischen Botaniker Legouz de Garland, Gründer des Botanischen Gartens von Dijon im Jahr 1773. Das Artepitheton speculum-veneris stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Spiegel der Venus“, eine klare Anspielung auf die flache, runde und glänzende Form der Krone, die an einen Spiegel erinnert. Der italienische Trivialname spiegelt direkt dieses poetische Bild wider und ruft die Göttin Venus sowie die Brillanz der Blüte hervor.
Quellen
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (actaplantarum.org)
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (scheda di Mirna Medri)
- Tela Botanica / H. Coste, „Flore descriptive et illustrée de la France“
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (6 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Campanulaceae
- Vollständiger Name
- Legousia speculum-veneris (L.) Chaix
- Lebensform
- Terofite scapose
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