Pflanzenart
Campanula medium
L.
Marien-Glockenblume
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Robuste zweijährige krautige Pflanze, Marien-Glockenblume erreicht eine Höhe zwischen 20 und 80 cm. Der Wuchs ist aufrecht, mit einfachen oder leicht verzweigten Stängeln, die durch einen kantigen Querschnitt und eine Oberfläche mit rauen, fast stechenden Haaren gekennzeichnet sind, welche dem Stängel ein spinnenwebartiges Aussehen und eine bräunlich-rote Färbung verleihen. Der Stängel ist somit behaart, spinnenwebartig und rau, mit einer recht rauen Haptik.
Die Blätter sind wechselständig am Stängel und in einer Grundrosette angeordnet, mit einer deutlichen Differenzierung zwischen Grund- und oberen Blättern. Die grundständigen Blätter, in einer Rosette vereinigt, sind oblanzettlich oder spatelförmig, gestielt, oval-lanzettlich mit gekerbtem oder gezähntem Rand und dicht borstig behaart. Die oberen Blätter sind kleiner, sitzend, lanzettlich und fast den Stängel umschließend, mit gekerbtem oder gezähntem Rand, ebenfalls mit rauen Haaren bedeckt.
Die Blüten sind von seltener Schönheit, meist intensiv blau-violett, können aber Farbvariationen von blassem Violett bis Weiß aufweisen, wobei Weiß relativ selten ist. Die Blüten sind hängend, einzeln oder in wenigblütigen Trauben an der Stängelspitze angeordnet, getragen von 2 bis 10 cm langen Blütenstielen mit zwei blattartigen Hochblättern. Der Kelch besitzt eine Röhre von 8-10 mm mit fünf lanzettlich-herzförmigen Zähnen von beträchtlicher Größe (7-9 x 13-17 mm) und umgeschlagenen Anhängen von 8-10 mm Länge.
Die Krone ist glockenförmig mit einer fassförmigen oder leicht urnenförmigen Röhre, etwa 4-5 cm lang und 1,5 cm breit, mit fünf kurzen Lappen und samtigem Schlund. Das Androeceum besteht aus fünf freien Staubblättern mit membranösen Filamenten und ebenfalls freien Staubbeuteln. Die Narbe ist zylindrisch und weist fünf Lappen auf. Die Frucht ist eine eiförmige, porizide Kapsel mit fünf Fächern, die sich durch fünf Poren öffnet und so die Samenverbreitung erleichtert.
Das Wurzelsystem, typisch für zweijährige Pflanzen, ist gut entwickelt, wird in den verfügbaren Quellen jedoch nicht detailliert beschrieben.
Habitat und Verbreitung
Marien-Glockenblume ist eine typische Art des mediterran-nordwestlichen Gebiets mit Verbreitung von Mittelitalien bis Südfrankreich, insbesondere in der Region Gard. In Italien reicht ihr Vorkommen südlich bis zum Tosco-Emilianischen Apennin, östlich bis zum Romagnolischen Apennin und nördlich bis ins Aostatal, wo sie jedoch sehr selten ist.
Bevorzugt werden Lebensräume mit Schuttfeldern, felsigen Hängen und Gebüschen, auf gut durchlässigen, oft kalkhaltigen oder steinigen Böden, in Höhenlagen von null bis etwa 1400 Metern. Die bevorzugte Exposition ist sonnig oder teilweise schattig, typisch für offene und trockene oder halbtrockene Umgebungen.
Blütezeit
Die Blütezeit von Marien-Glockenblume konzentriert sich hauptsächlich auf die Monate Mai und Juni, kann sich aber bis in den Sommer erstrecken, besonders in gemäßigten Gebieten. Im Anbau kann dieser Zeitraum weiter verlängert werden, was die Art wegen der Schönheit und Langlebigkeit ihrer Blüten geschätzt macht.
Ökologie und Bestäubung
Die Fortpflanzung von Marien-Glockenblume erfolgt hauptsächlich durch entomogame Bestäubung, also durch bestäubende Insekten begünstigt, es tritt aber auch Autogamie, also Selbstbestäubung, auf. Die Bestäubung ist somit gemischt, mit Insekten, die die hängenden Blüten besuchen, angezogen von der Farbe und der charakteristischen Form der Krone.
Die Samenverbreitung ist barochor: die Samen werden durch direkten Fall aus der Kapsel, die sich mit Poren öffnet, verteilt, was die Ausbreitung in der Umgebung der Mutterpflanze und die Besiedlung neuer geeigneter Standorte erleichtert.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Diese Art wird besonders wegen der Schönheit ihrer Blüten geschätzt, weshalb sie häufig in Gärten kultiviert wird, vor allem zur Verlängerung der Sommerblüte. Allerdings ist Marien-Glockenblume in der Natur unkontrollierten Sammelaktivitäten ausgesetzt, die ihr Überleben gefährden, weshalb geeignete Schutzmaßnahmen notwendig sind.
Es sind keine bedeutenden traditionellen medizinischen oder kulinarischen Verwendungen für diese Art bekannt, ebenso wenig besondere Bezüge im lokalen Volksglauben. Ihre Bedeutung ist überwiegend ornamentaler und botanischer Natur.
Etymologie
Der Gattungsname „Campanula“ leitet sich von der glockenförmigen Form der Blüten ab, die kleinen Glocken ähneln. Das spezifische Epitheton „medium“ bezeichnet eine mittlere Eigenschaft, wahrscheinlich bezogen auf die Größe oder morphologische Merkmale der Pflanze im Vergleich zu anderen Arten der Gattung. Der italienische Trivialname „Marien-Glockenblume“ stammt direkt vom wissenschaftlichen Namen.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, „Flora d'Italia“
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (scheda di Giuliano Salvai)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (9 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Campanulaceae
- Vollständiger Name
- Campanula medium L.
- Lebensform
- Emicriptofite bienni
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