Pflanzenart
Globularia cordifolia
L.
Herzblättrige Kugelblume
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Mehrjährige, kleine Pflanze, 3 bis 10 cm hoch, mit kriechendem Wuchs und verholztem Stängel. Die Stängel können sich über mehrere Dezimeter erstrecken, sind kahl, kantig, oft blattlos (aphyll) oder mit ein oder zwei lanzettlichen Blättchen entlang der Achse. An einigen Stellen des Stängels bilden sich Wurzelbüschel, die die Pflanze am Substrat verankern.
Die Blätter sind in einer basalen Rosette angeordnet, ledrig und spatelförmig; die Blattspreite ist 4 bis 7 mm breit und 10 bis 20 mm lang, mit gezähntem Rand und meist mucronatem, zweilappigem oder mit drei kleinen Zähnen versehenem Apex. Das Blatt verjüngt sich allmählich zu einem 2-4 cm langen Stiel, der es mit dem Stängel verbindet. In einigen Beschreibungen wird die Blattform als obovate mit abgerundetem Rand oder mit einer charakteristischen umgekehrt herzförmigen (cordata) Form angegeben.
Die Blütenstände sind aufrechte Stängel, bis zu 10 cm lang, blattlos oder mit höchstens zwei lanzettlichen Blättchen. An der Spitze entwickelt sich der halbkugelige Blütenkopf mit 1,5-2 cm Durchmesser, bestehend aus zahlreichen Blüten. Die den Blütenkopf umgebenden Hochblätter sind lanzettlich, etwa 3,5-4,5 mm lang und 1,2-1,5 mm breit, dunkel gefärbt und mit feiner Behaarung bedeckt; in einigen apenninischen Populationen besitzen sie auffällige weiße Wimpern am Rand.
Die Blüten variieren in der Farbe von violett bis lila und blau, mit einer 6-11 mm langen, trichterförmigen, zweilippigen Krone; die untere Lippe ist in drei lineare Lappen unterteilt und länger als die obere Lippe. Der Kelch besitzt ein behaartes Rohr mit abgerundeten Haaren, die Zähne überschreiten nicht die Länge des Kelchrohrs.
Die Früchte sind einsamige Kapseln, etwa 2 mm lang, die einen einzigen Samen enthalten.
Habitat und Verbreitung
Diese Art ist typisch für Gebirgslebensräume, insbesondere montane und alpine Zonen. Sie wächst vorwiegend auf kalkhaltigen Substraten und bevorzugt Felsspalten und kalkhaltige Schuttflächen. Ihre typische Höhenverbreitung reicht von etwa 1000 bis 2500 Metern, mit nachgewiesener Präsenz vor allem in den Alpen, von den Julischen Alpen bis zu den Seealpen und den Voralpen.
In Italien ist sie auch im nördlichen Apennin vertreten, mit bestätigten Populationen in den Apuanischen Alpen; die südlicheren apenninischen Populationen werden manchmal verwandten Arten zugeschrieben, doch jene, die in den Bergen der Forca Canapine und des Terminillo kontrolliert wurden, gehören ohne taxonomische Unterschiede zu dieser Art.
Die Art ist kalkliebend und bevorzugt sonnige Standorte, typisch für felsige Hänge und Gebirgsschutthalden.
Blütezeit
Die Blütezeit liegt zwischen April und Juni, mit möglichen Variationen je nach Höhe und Breite. In den höheren alpinen Zonen konzentriert sich die Blütezeit auf Mai und Juni, während sie in den Voralpen und tieferen Lagen bereits im April beginnen kann.
Ökologie und Bestäubung
Die blau-violetten Blüten sind an die Anlockung von Bestäuberinsekten angepasst, vermutlich Hymenopteren und andere kleine bestäubende Insekten. Die kugelige Blütenkopfform fasst zahlreiche Blüten zusammen, was den Besuch durch Insekten erleichtert und somit die Fremdbefruchtung fördert.
Die Pflanze vermehrt sich durch Samen, die von der einsamigen Kapsel produziert werden, welche wahrscheinlich barochor (in der Nähe der Mutterpflanze fallend) oder eventuell durch den Transport von Tieren oder durch Oberflächenwasser verbreitet wird, obwohl genaue Daten zur Ausbreitung fehlen.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Es sind keine traditionellen medizinischen oder kulinarischen Verwendungen dieser Art bekannt, ebenso wenig besondere Hinweise im lokalen Brauchtum. Ihre Bedeutung liegt vor allem im naturkundlichen Bereich als typische Art felsiger alpiner und voralpiner Lebensräume.
Etymologie
Der wissenschaftliche Gattungsname Globularia stammt vom lateinischen globulus, also „kleine Kugel“, in Bezug auf die kugelige Form des Blütenkopfes. Das spezifische Epitheton cordifolia bezieht sich auf die „herzförmige“ (vom lateinischen cordis = Herz) Form der Blätter, die oft abgerundete oder manchmal herzförmige Ränder aufweisen.
Der italienische gebräuchliche Name „Herzblättrige Kugelblume“ verweist genau auf dieses Merkmal der Blätter und hebt deren besondere Form und die Zartheit der Pflanze hervor, die klein und kriechend wie eine stille „Witwe“ der Berge erscheint. Im Deutschen wird hierfür der Name „Herzblättrige Kugelblume“ verwendet.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, "Flora d'Italia"
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Plantaginaceae
- Vollständiger Name
- Globularia cordifolia L.
- Lebensform
- Camefite reptanti
Ähnliche Arten
Arten mit ähnlichen Merkmalen suchenHaben Sie einen Bestimmungsfehler bemerkt? Schreiben Sie mir
Weitere Arten derselben Familie
Plantaginaceae
Entdecken
Weitere Arten von Plantaginaceae