Pflanzenart
Geranium robertianum
L.
Stinkender Storchschnabel
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Eine zweijährige, manchmal einjährige krautige Pflanze, gekennzeichnet durch eine kriechende oder aufsteigende Wuchsform mit zylindrischen, verzweigten und an den Knoten verdickten Stängeln, die eine Höhe von 10 bis 55 cm erreichen. Der Stängel ist oft rötlich, bedeckt mit abstehenden Haaren (Länge 0,4-2 mm), sowohl drüsen- als auch nichtdrüsenhaarig, was eine tomentose und leicht samtige Oberfläche verleiht. An den Knoten bewurzelt sie nicht.
Die Blätter sind gegenständig, mit einem Stiel von 3 bis 8 cm Länge, auf beiden Seiten behaart und mit eiförmigen, kahlen und leicht rotbärtigen Stipeln. Die Blattspreite ist fünfeckig-palmig geformt, mit variabler Breite zwischen 3 und 9 cm, unterteilt in fünf rhombische oder lanzettliche Lappen, die oft bis zur Mittelrippe tief geteilt sind. Die Endsegmente sind lanzettlich, gezähnt und an der Spitze abgerundet mit einem kurzen roten Mucron. Die Grundblätter bilden eine dauerhafte Rosette auf Bodenhöhe, während die oberen Blätter kleiner und gegenständig sind.
Die Blütenstände bestehen aus zweiblütigen Trauben mit aufrechten, behaarten Blütenstielen von 1,5-6 cm Länge, die das Achselblatt überragen. Die Blüten sind aufrecht, mit fünf violett-lila, rosa, roten oder gelegentlich weißen Blütenblättern, 9-13 mm lang, mit einer breiten Klaue von 6 mm und einer abgerundeten Spitze. Die Blütenblätter sind kahl, mit drei sichtbaren weißen Längsstreifen. Die Kelchblätter sind 6-8 mm lang, aufrecht, zusammenstehend, mucronat (Mucron 1,8-2,5 mm), samtig und drüsenhaarig. Die Staubblätter sind zehn, mit rosafarbenen kahlen Filamenten und orangen oder violetten Staubbeuteln, der Pollen ist gelb-orange. Der Fruchtknoten besteht aus fünf verwachsenen Karpellen, verlängert zu einem langen Schnabel (Rostrum) von etwa 1,7-2 cm, der die Frucht bildet.
Die Frucht ist ein Spaltfrucht, bestehend aus fünf netzartig und runzelig strukturierten Teilfrüchten (Mericarpen), die bei Reife auseinanderfallen und einzeln verstreut werden. Die Mericarpe sind kahl oder mit wenigen nichtdrüsenhaarigen Haaren, 1,9-3,1 mm lang. Der Schnabel ist etwa 1,7-1,9 cm lang, mit einer verengten Spitze von 4-5 mm. Die Wurzel ist eine Pfahlwurzel, rot gefärbt, mit einem dünnen axialen Abschnitt.
Lebensraum und Verbreitung
Die Art ist in Italien und im Mittelmeerraum weit verbreitet, in fast allen italienischen Regionen bis zu 1600 m Höhe anzutreffen. Sie wächst in sehr unterschiedlichen Lebensräumen, bevorzugt schattige Wälder, Hecken, Mauern, anthropogene Gebiete und Standorte mit weichen, stickstoffreichen und feuchten Böden. Sie ist auch häufig auf gestörten Böden und entlang von Wegen. Die Art ist subkosmopolitisch und kommt in Europa, Westasien, Nordafrika und Nordamerika vor.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich hauptsächlich von April bis September, mit möglichen geografischen Schwankungen, die vom lokalen Klima abhängen. In Italien sind Blüten von Frühling bis Anfang Herbst zu beobachten.
Ökologie und Bestäubung
Die Pflanze wird von verschiedenen bestäubenden Insekten besucht, die von der Farbe und Form der Blüten angezogen werden. Die zahlreichen Staubblätter und farbigen Staubbeutel fördern die entomogame Bestäubung. Die Art verfolgt eine reproduktive Strategie, die eine effiziente Samenverbreitung einschließt: Die schizokarpe Frucht, bestehend aus fünf Mericarpen, teilt sich bei Reife und die Samen werden durch das hygroskopische Aufrollen des Schnabels, der wie eine Feder wirkt, weit von der Mutterpflanze geschleudert, was die Besiedlung neuer Gebiete erleichtert.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Auch bekannt als „Erba Roberta“ oder „Roter Schierling“, hat diese Pflanze eine lange Tradition in der Heilpflanzenanwendung. Ihre Eigenschaften umfassen tonisch-adstringierende, entzündungshemmende, blutstillende und antidysenterische Wirkungen. Frische Blätter wurden traditionell zur Förderung der Heilung von Wunden und Geschwüren sowohl der Haut als auch der Schleimhäute verwendet, dank ihrer blutstillenden und antiseptischen Eigenschaften.
Außerdem wurde die Pflanze zur Gewinnung natürlicher Abwehrmittel und Farbstoffe genutzt. In der Volksmedizin glaubte man, dass das Aufbewahren von Zweigen des Geranium di San Roberto zusammen mit Rosskastanien in Schränken Motten fernhalten könne.
Aus ethnobotanischer Sicht ist es ein Kraut, das zahlreiche gebräuchliche Namen und Glaubensvorstellungen inspiriert hat, von denen einige mit seinem unangenehmen Geruch und der rötlichen Farbe seiner Stängel und Wurzeln verbunden sind.
Etymologie
Der Gattungsname „Geranium“ stammt vom griechischen „geranos“, was Kranich bedeutet, in Anspielung auf die Form der Früchte, die an den Schnabel dieses Vogels erinnern. Das spezifische Epitheton „robertianum“ ist San Roberto gewidmet, der der Überlieferung nach mit dieser Pflanze in Verbindung gebracht wird. Der italienische gebräuchliche Name „Stinkender Storchschnabel“ nimmt diese Widmung auf.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, „Flora d'Italia“
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (scheda di Giuliano Salvai)
- Tela Botanica / H. Coste, „Flore descriptive et illustrée de la France“
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (18 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Geraniaceae
- Vollständiger Name
- Geranium robertianum L.
- Lebensform
- Terofite scapose
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