Pflanzenart
Ajuga reptans
L.
Kriechender Günsel
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Mehrjährige krautige Pflanze, gekennzeichnet durch eine büschelige Wuchsform mit aufrechten Blütenstängeln, die eine Höhe von 10 bis 30 cm erreichen. Die Pflanzenbasis bildet lange kriechende Ausläufer (Stolonen), 10 bis 30 cm lang, die an den Knoten Wurzeln schlagen und der Art ermöglichen, sich auszubreiten und dichte, zusammenhängende Teppiche mit typischer metallisch grüner Farbe zu bilden, oft mit violetten oder kupferfarbenen Schattierungen. Die Stängel sind vierkantig, mit kantigem Querschnitt und oft abwechselnd auf zwei gegenüberliegenden Seiten im oberen Bereich behaart, manchmal mit purpurner oder violetter Färbung.
Die Grundblätter sind in einer Rosette angeordnet, spatelförmig oder verkehrt-eiförmig, mit ganzrandigen oder schwach gekerbten Rändern, etwa 8-12 cm lang und 2-4 cm breit, getragen von einem Stiel, der so lang ist wie die Blattspreite. Sie sind krautig, glänzend und oft an der Basis violett gefärbt. Die Stängelblätter sind kleiner, fast sitzend, gegenständig und kreuzweise (90° zueinander am Stängel) angeordnet und gehen in blattartige Hochblätter über, die die Blüte begleiten und blau-violett gefärbt sind.
Die Blüte besteht aus Scheinquirlen mit jeweils 6-8 Blüten, die in den Achseln der oberen Blätter stehen; die Hochblätter sind kleiner als die Blüten und nicht gefärbt. Der Kelch ist 4-6 mm lang, mit Zähnen, die so lang sind wie die Röhre, und oft behaart. Die Krone ist zweilippig, blau-violett mit weißen und dunkelblauen Streifen, manchmal rosa oder weißlich. Die Kronröhre ist etwa 9-10 mm lang und innen behaart; die obere Lippe ist stark reduziert oder fehlt, die untere Lippe ist dreilappig mit einem größeren mittleren Lappen, der oft zweigeteilt ist. Die Staubblätter ragen aus der Kronröhre heraus. Der Fruchtknoten ist oberständig und vierkammerig.
Die Frucht ist ein Tetrachenium (Steinfrucht aus vier Nüsschen), mit rauer und netzartiger Oberfläche, etwa 2,5 mm lang.
Das Wurzelsystem ist büschelig und mit den Stolonen verbunden, die der Pflanze eine schnelle Bodenbesiedlung ermöglichen.
Habitat und Verbreitung
Typische Art Europas und des Kaukasus, weit verbreitet in Italien und den Mittelmeerregionen, wo sie vorwiegend in kühlen und schattigen Lebensräumen wie Laubwäldern, Lichtungen, Wiesen und grasbewachsenen Hängen wächst. Bevorzugt gut durchlässige, aber feuchte Böden mit variabler Belichtung von Halbschatten bis Vollsonne und zeigt eine gute Anpassungsfähigkeit auch bei intensiver Lichtbestrahlung.
In Italien kommt sie bis zu 1500 Metern Höhe vor, vor allem in hügeligen und bergigen Gebieten. Sie wächst auf grasbewachsenen Hängen, Waldrändern und Lichtungen und bildet oft ausgedehnte Grasdecken dank ihrer Fähigkeit zur Ausbreitung über Stolonen.
Blütezeit
Die Blütezeit liegt hauptsächlich zwischen Mai und Juni, mit lokalen Variationen je nach Höhe und Klima. In einigen Gebieten kann die Blütezeit bis Juli andauern.
Ökologie und Bestäubung
Die Art vermehrt sich sowohl sexuell über Samen als auch asexuell durch bewurzelnde, beblätterte Stolonen, die eine schnelle Ausbreitung am Boden gewährleisten. Die Blüten mit zweilippigen Kronen und lebhaften Farben sind besonders attraktiv für Bestäuberinsekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, die die Bestäubung fördern.
Das Hervorragen der Staubblätter erleichtert den Kontakt mit den Bestäubern. Die Samenverbreitung erfolgt über die Tetrachenien, die bei Reife von der Pflanze abfallen und hauptsächlich von Insekten oder äußeren Einflüssen transportiert werden, was zur Besiedlung neuer Lebensräume beiträgt.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Diese Pflanze wurde historisch in der Phytotherapie wegen ihrer adstringierenden, wundheilenden und entzündungshemmenden Eigenschaften genutzt. Traditionell wurde sie zur Linderung von Entzündungen der Mundhöhle, zur Reduktion von Hämorrhoidenbeschwerden, zur Stillung von Blutungen und zur Milderung von Darmentzündungen und Durchfällen verwendet.
Im kosmetischen Bereich wird sie wegen ihrer beruhigenden Eigenschaften bei empfindlicher und zu Couperose neigender Haut geschätzt.
Als essbare Pflanze können junge Triebe roh im Salat verzehrt werden, um Geschmack und ernährungsphysiologische Vorteile zu bereichern. Es ist jedoch wichtig, die medizinische und ernährungsbezogene Verwendung mit Vorsicht und unter angemessener Beratung durchzuführen.
Etymologie
Der Gattungsname leitet sich vom lateinischen „Ajuga“ ab, zusammengesetzt aus dem privativen Präfix „a-“ und „jugum“ (Joch), vermutlich in Bezug auf das Fehlen der oberen Lippe in der Krone, die als „ohne Joch“ erscheint.
Das spezifische Epitheton „reptans“ weist auf den kriechenden Wuchs der Stolonen hin.
Der italienische Trivialname „Kriechender Günsel“ bezieht sich auf den niederliegenden und ausgebreiteten Charakter der Pflanze, die sich horizontal am Boden ausbreitet.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, "Flora d'Italia"
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (scheda di Giuliano Salvai)
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (10 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Lamiaceae
- Vollständiger Name
- Ajuga reptans L.
- Lebensform
- Emicriptofite reptanti
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