Pflanzenart
Chaerophyllum temulum
L.
Betaeubender Kaelberkropf
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Ein zweijährige krautige Pflanze oder seltener einjährige, 30 bis 100 cm hoch, mit aufrechtem Wuchs und vollstängeligen, gestreiften und behaart-rauhaarigen Stängeln. Die Stängel sind an der Basis typischerweise purpurfarben und weisen deutliche Verdickungen an den Internodien auf, besonders an der Ansatzstelle der Blattstiele. Die Stängeloberfläche ist mit kurzen nach unten gerichteten Haaren bedeckt und hat einen vierkantigen Querschnitt.
Die Blätter sind zusammengesetzt, krautig in der Konsistenz und dunkelgrün, überwiegend dreifach gefiedert oder zweifach gefiedert, mit oval-stumpfen Blattsegmenten und flachen Einschnitten. Die unteren Blätter sind größer, lang gestielt, mit eiförmig-dreieckigem Umriss, während die oberen Blätter kleiner, sitzend und weniger geteilt sind, mit einer Basis, die den Stängel umhüllt. Die obere Blattseite ist im Allgemeinen samtiger als die Unterseite.
Das Wurzelsystem besteht aus einer spindelförmigen, schlanken Wurzel, typisch für zweijährige Apiaceae.
Die Blütenstände bestehen aus zusammengesetzten Dolden, vor der Blüte hängend, mit 6-12 behaarten Strahlen. Die Teilblütenstände sind von einer Hülle aus 4-8 lanzettlichen, ciliate und nach außen zurückgebogenen Hochblättern mit häutigen Rändern umgeben. Die Hülle ist meist fehlend oder auf ein bis zwei lanzettliche, früh abfallende Hochblätter reduziert.
Die Blüten sind klein, mit überwiegend weißen Blütenblättern, können aber gelegentlich rosafarben oder gelblich sein. Die Blütenblätter sind zweilappig, glatt und ohne Randwimpern. Der Kelch ist zahnlos. Es sind 5 Staubblätter und ein unterständiger, zweikammeriger Fruchtknoten mit zwei einsamigen Karpellen vorhanden. Die Griffel sind zwei, kurz, divergierend und gleich lang wie das Stylopodium.
Die Frucht ist ein spindelförmiger Doppelfrucht (Schizokarp), 5-7 mm lang, meist kahl und ohne Schnabel, mit einem allmählich verjüngenden Stylopodium. Die Oberfläche kann je nach Form unterschiedliche Behaarung aufweisen, mit einer in der Halbinsel verbreiteten Variante, die behaarte Früchte mit aufrechten Borsten zeigt.
Lebensraum und Verbreitung
Diese Art ist in Europa verbreitet, vom eurasischen Gebiet bis nach Japan, und insbesondere in Italien sowie den gemäßigten Mittelmeerregionen vorhanden. Sie wächst bevorzugt in mesophilen Lebensräumen wie Brachen, Hecken, Waldrändern, Trümmern und Waldwegen, oft in halbschattigen Bereichen. Sie bevorzugt leicht saure Substrate und kommt von niedrigen Lagen bis 1200 Meter über dem Meeresspiegel vor.
In Italien ist sie vor allem in Regionen mit gemäßigtem und submontanem Klima häufig, wo sie gestörte Flächen und Waldränder besiedeln kann. Die Art gilt in vielen hügeligen und bergigen Lebensräumen als häufig.
Blütezeit
Die Blütezeit liegt allgemein zwischen Mai und Juli, mit einigen lokalen Variationen, die mit Breiten- und Höhenlage zusammenhängen. In Italien konzentriert sich die Hauptblütezeit auf den späten Frühling und den Frühsommer.
Ökologie und Bestäubung
Die Pflanze ist entomogam, das heißt von Insekten bestäubt, die von den kleinen weißen Blüten in Dolden angezogen werden. Die häufigsten Bestäuber sind Bienen, Hymenopteren und andere typische Bestäuber der Apiaceae. Die reproduktive Strategie basiert auf Kreuzbestäubung, begünstigt durch die Struktur des Blütenstandes und die Anordnung vieler Blüten in Dolden.
Die Samen, die in den Schizokarpfrüchten enthalten sind, werden hauptsächlich durch Fallverbreitung am Boden dispersiert; eine besondere Fernverbreitungsart, wie durch Tiere oder Wind, ist nicht bekannt. Die Präsenz in gestörten Lebensräumen deutet jedoch auf eine gute Fähigkeit zur Kolonisierung offener Flächen hin.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Diese Art ist in Italien unter den Volksnamen „Anacio“ oder „Rauschkerbel“ bekannt. Die Pflanze ist giftig: die Einnahme verursacht Effekte ähnlich einem starken Rausch, mit Verwirrtheitszuständen und Schwindel. Aus diesem Grund wird jegliche Nahrungs- oder medizinische Verwendung ohne angemessene Aufsicht nicht empfohlen.
Trotzdem wurden der Art früher medizinische Eigenschaften zugeschrieben, heute gilt sie jedoch hauptsächlich als giftige Pflanze. Die alimentäre oder pharmazeutische Nutzung ist selten und nicht empfohlen, und die Pflanze wird in der modernen Kräuterkunde nicht häufig verwendet.
Aus ethnobotanischer Sicht spiegelt der gebräuchliche Name „Rauschkerbel“ gerade ihre toxische Wirkung und die psychoaktiven Effekte wider, die durch versehentliche oder absichtliche Einnahme entstehen.
Etymologie
Der Gattungsname stammt aus dem Altgriechischen: „kháiro“ bedeutet „freuen“ und „phýllon“ bedeutet „Blatt“, in Bezug auf die visuelle Freude, die die Blätter einiger verwandter Arten, wie des gewöhnlichen Kerbels, hervorrufen.
Das spezifische Epitheton „temulum“ stammt vom lateinischen „temulus“, was „betrunken“ oder „angetrunken“ bedeutet und auf die psychoaktiven Effekte der Pflanze bei Einnahme verweist.
Der volkstümliche Name „Anacio“ ist italienischen Ursprungs, während „Rauschkerbel“ ausdrücklich den giftigen Charakter und die berauschende Wirkung der Art bezeichnet.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, „Flora d'Italia“
- Acta Plantarum - Flora der italienischen Regionen (Datensatz von Anja Michelucci)
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (3 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Apiaceae
- Vollständiger Name
- Chaerophyllum temulum L.
- Synonyme
- Chaerophyllum temulentum L.
- Lebensform
- Terofite scapose
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