Pflanzenart
Urtica dioica
L.
Große Brennessel
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Mehrjährige krautige Pflanze, zweihäusig (mit getrennten männlichen und weiblichen Individuen), die eine Höhe von 40 cm bis 1 Meter erreichen kann. Der Wuchs ist aufrecht, mit robusten Stängeln, einfach oder wenig verzweigt, mit kantigem Querschnitt und Rillen im oberen Bereich. Der Stängel weist eine rauhaarige Oberfläche auf, oft bedeckt mit brennenden Haaren, die der Pflanze die charakteristische unangenehme Berührungsempfindung verleihen. Das Wurzelsystem besteht aus holzigen und ausläuferbildenden Rhizomen, die eine schnelle Ausbreitung und die Bildung dichter Kolonien ermöglichen.
Die Blätter sind gegenständig, gestielt, lanzettlich oder eiförmig-lanzettlich geformt, mit variabler Größe, meist zwischen 5 und 13 cm Länge und 2,5-6 cm Breite. Die Basis der Blattspreite ist typischerweise herzförmig oder leicht abgestumpft, der Rand grob gezähnt oder gesägt mit oft an der Spitze gebogenen Zähnen. Die obere Blattfläche ist gewöhnlich mit brennenden und borstigen Haaren bedeckt, während die Unterseite eine höhere Haardichte aufweist, besonders entlang der Nerven. Die freien Nebenblätter sind linear-lanzettlich und 2-8 mm lang.
Die Blütenstände sind rispige, traubige, achselständige Blütenstände von 3-7 cm Länge, mit kleinen, winzigen, gelblich-grünen oder weißlichen Blüten. Die männlichen Blüten besitzen vier behaarte Tepalen und Staubblätter mit brennenden Haaren; die weiblichen Blüten haben behaarte Tepalen mit gefiederten und kopfigen Narben. Die weiblichen Blütenstände neigen dazu, während der Fruchtbildung zu hängen. Die Frucht ist ein eiförmiges, seitlich leicht abgeflachtes Achänium von 1-1,4 mm, umhüllt von den bleibenden Tepalen der Blüte, von braun-grauer Farbe.
Die Pflanze zeigt eine bemerkenswerte morphologische Variabilität, mit einigen Varietäten, die sich durch unterschiedliche Dichte und Art der Haare auszeichnen (z.B. fast kahle Pflanzen oder mit einfachen anliegenden Haaren). In einigen Gebieten, wie Sizilien, werden Formen mit niederliegendem Stängel und kleineren Blättern beobachtet, die weitere taxonomische Studien verdienen.
Lebensraum und Verbreitung
Es handelt sich um eine weit verbreitete Art in Italien und im Mittelmeerraum, die sich auch in den gemäßigten Regionen fast der gesamten Erde ausdehnt. Bevorzugt feuchte und nährstoffreiche Standorte wie feuchte Wälder, Flussufer, Hecken, Brachflächen, Wegränder und gestörte Böden. Sie wächst von der Ebene bis in hügelige und voralpine Lagen, meist bis etwa 1000 Meter Höhe.
Bevorzugte Böden sind nitrat- und organisch reiche, oft gestörte oder schuttreiche Böden mit halbschattiger bis schattiger Lage, besonders entlang von Gewässern oder in Waldgebieten. Die Pflanze passt sich an ein breites Spektrum von Umweltbedingungen an und ist in einigen Gebieten häufig als Unkraut anzutreffen.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich hauptsächlich von Mai bis November, mit einem sommerlichen Höhepunkt, der bis in den Herbst andauern kann. In einigen Gebieten und gemäßigteren Klimazonen kann die Blüte auch von Juni bis Oktober dauern. Dauer und Intensität der Blüte können je nach Höhe und Breite leicht variieren.
Ökologie und Bestäubung
Die Art ist zweihäusig, mit männlichen und weiblichen Blüten auf getrennten Pflanzen, obwohl gelegentlich einhäusige Individuen oder Pflanzen mit zwittrigen Blüten auftreten. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich anemophil (Pollenübertragung durch den Wind), aber auch Insektenbestäubung ist möglich, da die kleinen und unauffälligen Blüten Insekten anziehen können. Die brennenden Haare auf Blättern und Stängel stellen einen wirksamen Schutz gegen Herbivorie dar.
Die Samenverbreitung erfolgt über leichte Achänen, die vom Wind oder Tieren transportiert werden können. Das ausläuferbildende Rhizom trägt ebenfalls zur vegetativen Vermehrung bei, wodurch die Pflanze sehr ausbreitungsfreudig und manchmal invasiv wird, besonders auf gestörten oder nährstoffreichen Böden.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Die Gemeine Brennnessel ist seit der Antike für ihre brennenden Eigenschaften bekannt, die durch Haare mit reizenden Substanzen wie Ameisensäure verursacht werden. Dennoch wurde sie in der Volksmedizin wegen ihrer harntreibenden, entzündungshemmenden und remineralisierenden Eigenschaften weit verbreitet genutzt. Die Pflanze ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere Eisen, und wird auch in der Phytotherapie zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen, Anämien und Hautproblemen verwendet.
In der Küche werden junge Blätter gesammelt und gekocht als nährstoffreiches Gemüse für Suppen, Risottos oder Omeletts verwendet, nachdem die brennende Wirkung durch Kochen oder Trocknen entfernt wurde. In einigen Traditionen wurde die Brennnessel auch zur Herstellung widerstandsfähiger Textilfasern genutzt.
Im Volksglauben hat die Brennnessel symbolische Bedeutungen, die mit Schutz und Reinigung, aber auch mit Schmerz und Selbstverteidigung verbunden sind.
Etymologie
Der wissenschaftliche Name stammt vom lateinischen urtica, das wiederum vom Verb urere (brennen) abgeleitet ist und sich auf das stechende und reizende Gefühl bezieht, das durch die brennenden Haare bei Berührung hervorgerufen wird. „Zweihäusig“ bezeichnet das Vorhandensein von männlichen und weiblichen Blüten auf getrennten Pflanzen.
Der italienische Trivialname „ortica“ bewahrt dieselbe lateinische Wurzel und verweist auf die typische brennende Eigenschaft der Pflanze.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, „Flora d’Italia“
- Tela Botanica / H. Coste, „Flore descriptive et illustrée de la France“
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (10 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Urticaceae
- Vollständiger Name
- Urtica dioica L.
- Synonyme
- Urtica dioica L. subsp. pubescens (Ledeb.) Domin; Urtica dioica L. var. heterophylla Goiran; Urtica dioica L. var. microphylla Hausm.; Urtica dioica L. var. pseudo-balearica Lojac.; Urtica galeopsifolia Opiz; Urtica pubescens Ledeb.; Urtica sicula Guss.
- Lebensform
- Emicriptofite scapose
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