Pflanzenart
Parietaria officinalis
L.
Aufrechtes Glaskraut
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Mehrjährige krautige Pflanze, gewöhnlich zwischen 20 und 80 cm hoch, mit Spitzen, die auch bis zu 100 cm erreichen können. Sie hat eine stängellose Wuchsform mit aufrechten, zylindrischen, fleischigen und zerbrechlichen Stängeln, die manchmal an der Basis verholzt sind. Die Stängel sind oft rötlich gefärbt und mit feinem, nicht brennendem Haar bedeckt. Die Pflanze entwickelt sich aus einem verlängerten Rhizom, das ihre Mehrjährigkeit ermöglicht.
Die Blätter sind wechselständig, lang gestielt, elliptisch-lanzettlich geformt, mit variabler Größe, gewöhnlich zwischen 2-4 cm Breite und 5-10 cm Länge (können auch bis zu 15 cm erreichen). Die Blattspreite hat einen ganzrandigen Rand, ist an der Spitze zugespitzt und zur Basis hin verjüngt, mit gut sichtbaren durchscheinenden Nerven. Die obere Blattseite ist fast kahl, während die Unterseite vor allem auf den Nerven gebogene Haare aufweist, die das Blatt leicht klebrig anfühlen lassen.
Die Blütenstände bestehen aus dichten, achselständigen Knäueln von grünlich gefärbten Blüten, die männliche, weibliche und zwittrige Blüten enthalten. Jeder Knäuel besteht aus wenigen männlichen und weiblichen Blüten, mit einer größeren Anzahl zwittriger Blüten, umgeben von vier freien, sepaloiden Hochblättern ähnlicher Größe. Der Perianth ist einhäusig, behaart, mit vier kaum oder gar nicht wachsenden Lappen während der Fruchtbildung, etwa 2,75-3 mm lang.
Die Blüten sind korollalos; die vier Staubblätter sind gegenüber den Perianthlappen angeordnet und schnappen auf, um den Pollen freizusetzen. Der Fruchtknoten ist einkammerig, mit oft rötlich gefärbten, pinselartigen Narben.
Die Frucht ist ein Dichäsium, bestehend aus einem eiförmigen Achän oder Nucula, etwa 1,2-2 mm lang, glänzend schwarz, eingeschlossen im persistenten Perianth. Diese Struktur erleichtert die Samenverbreitung.
Das Wurzelsystem besteht aus einem verlängerten Rhizom, das die Mehrjährigkeit der Pflanze und ihre Fähigkeit zur schnellen Besiedlung von Substraten ermöglicht.
Lebensraum und Verbreitung
Nitrophile, synanthrope Art, typisch für anthropogene Lebensräume, wächst auf stickstoffreichen Substraten wie Trümmern, Ruinen, alten Mauern und brachliegenden Böden. In der Natur findet man sie auch auf eutrophen Waldböden, sowohl feucht als auch trocken, bis zu 900 Metern Höhe.
Die geografische Verbreitung umfasst ganz gemäßigtes Europa, von Frankreich bis zur Ukraine, Westasien und Nordafrika. In Italien ist sie in vielen Regionen verbreitet, vor allem in urbanen, ländlichen und degradierten Waldgebieten. Im Mittelmeerraum passt sie sich gut an auch nährstoffarme Böden an, sofern diese reich an organischen Nährstoffen sind.
Sie bevorzugt sonnige oder halbschattige Standorte und passt sich leicht an felsige oder kalkhaltige Substrate an, wobei sie oft Mauern und exponierte Wände besiedelt.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Oktober, mit einer stärkeren Konzentration im Sommer. Die verlängerte Blütenpräsenz wird durch milde Umweltbedingungen und Nährstoffverfügbarkeit begünstigt. In einigen geografischen Gebieten mit gemäßigtem Klima kann die Blüte bereits im Mai beginnen und bis zu den ersten Herbstfrösten andauern.
Ökologie und Bestäubung
Die Art ist anemophil, das heißt, der Pollen wird vom Wind transportiert und ist nicht wesentlich von Insekten für die Bestäubung abhängig. Dennoch erleichtern die Eigenschaften der Staubblätter und die Blütenstruktur die Pollenverbreitung in der Luft.
Die Bestäubung produziert hochallergenen Pollen, der eine der häufigsten Frühlings- und Sommerallergien verursacht. Die Samenverbreitung erfolgt durch Freisetzung der im persistenten Perianth eingeschlossenen Achänen, was auch eine mechanische Verbreitung begünstigen kann.
Aus ökologischer Sicht dienen die Blätter dieser Pflanze als Nahrung für die Raupen einiger Schmetterlinge, wie Vanessa atalanta.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Der gebräuchliche Name „erba vetriola“ stammt von der historischen Verwendung der klebrigen Blätter zum Reinigen des Inneren von Flaschen und Krügen, wobei deren Fähigkeit genutzt wurde, Rückstände und Verunreinigungen zu binden.
Aus ethnobotanischer Sicht ist Parietaria officinalis seit der Antike für ihre medizinischen Eigenschaften bekannt. Sie enthält Wirkstoffe wie Kalzium, Kaliumsalze (besonders Nitrate), Schleimstoffe, schwefelhaltige Substanzen und Tannine. Diese Verbindungen verleihen der Pflanze diuretische und reinigende Eigenschaften, die bei der Behandlung von Wassersucht, Nierenentzündungen, Blasenentzündungen, Ödemen bei Herzinsuffizienz und zur Vorbeugung von Nieren- und Blasensteinen nützlich sind.
Zur äußerlichen Anwendung wird die Pflanze als weichmachendes und kühlendes Mittel bei Dermatitis, Furunkeln, Rissen und kleinen Verbrennungen eingesetzt.
Früher wurden die jungen Blätter als Gemüse ähnlich wie Spinat verzehrt und zur Zubereitung von Füllungen, Omeletts und Suppen verwendet, was auf eine traditionelle alimurgische Nutzung hinweist.
Etymologie
Der Gattungsname Parietaria stammt vom lateinischen parietaria ab, das wiederum von páries oder paríetis abgeleitet ist und „Mauer“ oder „Wand“ bedeutet, in Bezug auf den typischen Lebensraum der Pflanze, die oft auf Mauern und felsigen Wänden wächst.
Das Artepitheton officinalis weist auf die historische Verwendung in Pharmazie und traditioneller Medizin hin und unterstreicht die offizielle Bedeutung dieser Art.
Der italienische gebräuchliche Name „erba vetriola“ bezieht sich auf die traditionelle Verwendung der klebrigen Blätter zur Reinigung von Glas und Flaschen.
Quellen
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (actaplantarum.org)
- Acta Plantarum - Scheda di Anja Michelucci
- Tela Botanica / H. Coste, Flore descriptive et illustrée de la France
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (1 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Urticaceae
- Vollständiger Name
- Parietaria officinalis L.
- Lebensform
- Emicriptofite scapose
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