Pflanzenart
Orchis anthropophora
(L.) All.
Ohnhorn-Knabenkraut
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Orchidaceae, gekennzeichnet durch eine aufrechte und einfache Wuchsform mit einer Höhe von 20 bis 40 cm. Das Wurzelsystem besteht aus zwei ellipsoiden, tief liegenden, kastanienbraunen Knollen, die 11 bis 28 mm breit und 12 bis 36 mm lang sind und als Überdauerungsorgane dienen, aus denen jährlich Stängel, Blätter und Blüten hervorgehen.
Der Stängel ist kahl, steif, aufrecht und weist besonders im unteren Bereich unter der Blüte deutliche Längsstreifen auf.
Die grundständigen Blätter sind zahlreich (7-10), rosettenförmig angeordnet und lanzettlich oder eiförmig-lanzettlich geformt, mit ganzrandigem und stumpfem Apex. Sie messen gewöhnlich 1 bis 1,5 cm in der Breite und 6 bis 10 cm in der Länge und zeigen deutlich ausgeprägte parallele Nerven. Die Stängelblätter sind kleiner, scheidig und umschließen den Stängel eng.
Die Blüte ist eine zylindrische, längliche und dichte Ähre, bestehend aus 25-50 zygomorphen und sitzenden Blüten von etwa 14-16 mm Länge. Die Hochblätter der Blüte sind kürzer als der Fruchtknoten. Die äußeren Tepalen sind oval, grünlich mit violettem Rand, verwachsen zu einer Haube, die die beiden inneren Tepalen umschließt, welche klein, linear und blassgrün gefärbt sind.
Das Labellum, das dem Ohnhorn-Knabenkraut seinen gebräuchlichen Namen verleiht, ist dreilappig, hängend und ohne Sporn. Es ist 10-15 mm lang und gelb-grünlich oder rot-bräunlich gefärbt, mit dunkleren Rändern. Die seitlichen Lappen sind linear, während der mittlere Lappen zweigeteilt mit linearen Lacinien ist und oft einen kleinen mittleren Zahn aufweist. Diese besondere Morphologie verleiht der Blüte ein humanoides Aussehen, woraus die gebräuchlichen Namen abgeleitet sind.
Die Frucht ist eine aufrechte, dreikantige, aufspringende Kapsel mit drei deutlichen Kanten, die zahlreiche sehr kleine und leichte Samen enthält, geeignet für die Windverbreitung (Anemochorie).
Lebensraum und Verbreitung
Die Art ist entlang der atlantischen und mediterranen Küsten verbreitet, mit einer Verbreitung, die weite Teile des Mittelmeerraums und einige Gebiete des atlantischen Europas umfasst. In Italien kommt sie vom Meeresspiegel bis etwa 1500 Meter Höhe vor.
Bevorzugt werden offene Buschlandschaften, lichte Wälder, trockene Wiesen und steinige Weiden, mit einer Präferenz für kalkhaltige Substrate. Typischerweise wächst sie in lichtdurchfluteten oder halbschattigen Waldgebieten mit meist sonniger oder teilweise schattiger Exposition.
Blütezeit
Die Blütezeit liegt allgemein in den Monaten April, Mai und Juni, mit möglichen geografischen Variationen, die mit der Höhe und dem lokalen Klima zusammenhängen. Weiter südlich oder in milden Klimazonen kann die Blüte früher beginnen, während sie in Bergregionen oder nördlicheren Gebieten länger andauert.
Ökologie und Bestäubung
Orchis anthropophora nutzt eine reproduktive Strategie, die auf entomogamer Bestäubung basiert, hauptsächlich durch blütenbesuchende Insekten, darunter verschiedene Hymenopterenarten. Die Blüte zieht mit ihrer besonderen Form und den gelb-grünlichen oder rot-bräunlichen Farben Bestäuber an und fördert die Fremdbefruchtung.
Die Samenverbreitung erfolgt durch den Wind, begünstigt durch die leichte Struktur und Kleinheit der Samen in den Kapseln. Diese Verbreitungsart ermöglicht die Besiedlung neuer, für die Art geeigneter Mikrohabitate.
Die Pflanze kann sich mit anderen Arten der Gattung Orchis kreuzen, wie O. italica, O. militaris, O. purpurea und O. simia. Bei Hybriden ist häufig das Vorhandensein eines kleinen Sporns am Labellum zu beobachten, der bei der reinen Art fehlt.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Der gebräuchliche Name „Ohnhorn-Knabenkraut“ leitet sich von der besonderen Blütenform ab, die an eine tanzende menschliche Figur erinnert, wobei das Labellum die Form eines kleinen stilisierten Menschen annimmt. In verschiedenen europäischen Sprachen, wie Französisch und Spanisch, wird die Pflanze aufgrund der hängenden Blütenform als „gehängter Mann“ bezeichnet.
Aus ethnobotanischer Sicht sind keine bedeutenden oder dokumentierten medizinischen oder ernährungsbezogenen Verwendungen dieser Art bekannt, die stattdessen aufgrund ihres Status als wildwachsende Orchidee im gesamten Staatsgebiet geschützt ist.
Etymologie
Der Gattungsname „Orchis“ stammt vom griechischen „órchis“ ab, was „Hoden“ bedeutet, in Anspielung auf die Form der Knollen der Pflanze, die an dieses Körperteil erinnern. Diese Bezeichnung geht auf Plinius den Älteren zurück, der diese Eigenschaft bei vielen Arten der Gattung beobachtete.
Das spezifische Epitheton „anthropophora“ leitet sich vom griechischen „ánthropos“ (Mensch) und „phoros“ (tragend) ab und bedeutet „der den Menschen trägt“, in Bezug auf die Form des Labellums, die an eine menschliche Figur erinnert.
Der italienische gebräuchliche Name „Ohnhorn-Knabenkraut“ hebt das tanzende und anmutige Erscheinungsbild der Blüte hervor, die die Silhouette einer stilisierten Ballerina evoziert.
Quellen
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (scheda di Anja Michelucci)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe
Die Fundorte dieser Art sind aus Schutzgründen nicht öffentlich.
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Orchidaceae
- Vollständiger Name
- Orchis anthropophora (L.) All.
- Synonyme
- Aceras anthropophorum (L.) R.Br.
- Lebensform
- Geofite bulbose
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