Pflanzenart
Oenothera biennis
L.
Gewöhnliche Nachtkerze
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Eine zweijährige krautige Pflanze mit aufrechtem Wuchs, die eine Höhe zwischen 30 cm und 2 Metern erreichen kann. Der Stängel ist meist einfach oder wenig verzweigt, manchmal kräftig, mit einer verdickten und spindelförmigen Basis; die Oberfläche ist mit einer variablen Behaarung bedeckt, bestehend aus kurzen anliegenden Haaren und längeren, gebogenen oder ausgebreiteten Haaren, die oft mit roten Papillen verbunden sind.
Die grundständigen Blätter bilden eine Grundrosette mit einer länglich-lanzettlichen Blattspreite, oft sinuat-pinnatifid oder gezähnt, mit einer Länge von 8 bis 30 cm und einer Breite von 1-6 cm, mit einem relativ langen Stiel. Die Stängelblätter sind lanzettlich, von eiförmig-lanzettlich bis schmal lanzettlich, fast sitzend oder mit sehr kurzen Stielen, mit stark gezähnten oder fast ganzrandigen Blatträndern, oft an der Basis gelappt; die Oberfläche kann kahl oder leicht rau sein. Die Blätter sind meist grün oder blassgrün, mit deutlicher Nervatur und einer Hauptader, die bei ausgewachsenen Exemplaren manchmal rötlich gefärbt ist.
Die Blüten sind in einer endständigen, blatttragenden Traube angeordnet, die meist unverzweigt und dicht ährenförmig ist. Sie sind relativ groß, mit einem Durchmesser von 2,4-5 cm, gekennzeichnet durch gelbe, herzförmig umgekehrte Blütenblätter, die sich zum Sonnenuntergang öffnen. Die Blütenblätter überragen die Staubblätter, sind durchschnittlich 1,2-3 cm lang und leuchtend gelb, das mit dem Alter orangefarben werden kann. Der Kelch ist grün, mit einer etwa 2,5-4 cm langen Röhre und aufrechten Kelchblättern von 1,2-2,8 cm Länge, mit freien Spitzen von 1,5 bis 4 mm. Das Androeceum besteht aus 8 Staubblättern (4+4), und das Gynoeceum besteht aus einem unterständigen Fruchtknoten mit 4 Fruchtblättern.
Die Frucht ist eine zylindrische Kapsel, 1,4 bis 4 cm lang, sitzend oder fast sitzend, aufrecht und manchmal samtig oder behaart, die Samen in zwei Reihen pro Fach enthält. Die Samen sind dunkelbraun oder schwarz, etwa 1,1-2 mm lang, mit unregelmäßig punktierter Oberfläche.
Das Wurzelsystem, typisch für zweijährige Arten, besteht aus einer verlängerten und fleischigen Hauptwurzel, die traditionell in einigen Kulturen als Nahrungsmittel verwendet wird.
Lebensraum und Verbreitung
Ursprünglich aus Nordamerika stammend, ist diese Art heute in weiten Teilen Europas, einschließlich Italiens, und im Mittelmeerraum eingebürgert, wo sie in anthropogenen und offenen Lebensräumen vorkommt. Sie bevorzugt gestörte Standorte wie Brachflächen, Sandflächen, Straßenränder und brachliegende Flächen, oft auf gut durchlässigen und mäßig fruchtbaren Böden. Sie wächst von der Ebene bis in mäßig hohe Hügel- und Berglagen, meist bis etwa 1.000 Meter Höhe.
In Italien ist sie fast im gesamten Gebiet verbreitet, mit höherer Häufigkeit in den mittel-nördlichen Regionen und in den gemäßigten mediterranen Gebieten. Die Art verträgt sonnige Standorte und offene Umgebungen gut und bevorzugt sandige oder kiesige Böden.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich hauptsächlich von Juni bis September, mit einigen geografischen Variationen, die das Erscheinen der Blüten je nach lokalen klimatischen Bedingungen etwas vor- oder zurückverlegen können. Die Blüten öffnen sich zum Sonnenuntergang, eine Eigenschaft, die bestimmte nacht- oder dämmerungsaktive Bestäuber anzieht.
Ökologie und Bestäubung
Die Art nutzt eine gut an ihre offenen und gestörten Lebensräume angepasste Fortpflanzungsstrategie. Die abendliche Blütenöffnung und die leuchtend gelbe Farbe sind eine Strategie, um bestäubende Insekten anzulocken, die in der Dämmerung oder nachts aktiv sind, wie Motten und andere nachtaktive Bestäuber. Die Bestäubung erfolgt somit durch Insekten, mit einer reproduktiven Effizienz, die auch durch Selbstbestäubung unterstützt wird, da die Pflanze selbstverträglich ist.
Die Samenverbreitung erfolgt hauptsächlich durch Fall in der Nähe der Mutterpflanze, aber die Samen können auch durch Tiere oder abiotische Faktoren transportiert werden, was zur Ausbreitung der Art in gestörten und offenen Lebensräumen beiträgt.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Diese Pflanze wurde im 17. Jahrhundert wahrscheinlich aus Virginia nach Europa eingeführt und bereits seit 1612 im Botanischen Garten von Padua kultiviert. Ihr italienischer Trivialname „enagra comune“ ist weniger gebräuchlich als „onagra“, ein häufiger verwendeter Begriff für Arten der Gattung.
Die enagra comune besitzt einen interessanten ethnobotanischen Wert: Wurzeln und Blätter sind essbar und wurden in einigen traditionellen Kulturen sowohl als Nahrungsmittel als auch wegen ihrer medizinischen Eigenschaften verwendet. Die fleischigen Wurzeln können roh oder gekocht verzehrt werden und wurden als Volksmittel gegen Verdauungs- oder Entzündungsbeschwerden eingesetzt. Auch die jungen Blätter können in Salaten oder als Gemüse verwendet werden.
Im Volksglauben werden der Pflanze einige gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben, die die Haut und das Nervensystem betreffen, obwohl diese Anwendungen nicht allgemein anerkannt oder von der modernen Wissenschaft gestützt werden.
Etymologie
Der wissenschaftliche Name stammt aus dem Griechischen: „Oenothera“ wahrscheinlich von „oinos“ (Wein) und „ther“ (Jäger), obwohl die genaue Herkunft unsicher und interpretationsbedürftig ist. Der italienische Name „enagra“ stammt vermutlich aus dem mittelalterlichen Latein oder alten volkstümlichen Bezeichnungen, die mit der Pflanze und ihren Verwendungen verbunden sind, während „onagra“ ein gebräuchlicherer Begriff für Pflanzen der Gattung ist, der auch in der wissenschaftlichen Sprache verwendet wird.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, Flora d'Italia
- Tela Botanica / H. Coste, Flore descriptive et illustrée de la France
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (17 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Onagraceae
- Vollständiger Name
- Oenothera biennis L.
- Synonyme
- Brunyera biennis (L.) Bubani; Onagra biennis (L.) Scop.
- Lebensform
- Emicriptofite bienni
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