Pflanzenart
Matthiola tricuspidata
(L.) R.Br.
Violaciocca marina
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Die Meeresvioletta ist eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Brassicaceae, mit stängellosem Wuchs und einer variablen Höhe zwischen 10 und 40 cm. Sie hat von der Basis verzweigte Stängel, die meist niederliegend oder aufsteigend sind, bedeckt mit einer grau-filzigen Behaarung aus kurzen, verzweigten und gestielten Drüsenhaaren, die ihr ein wolliges Aussehen verleihen.
Die grundständigen Blätter sind rosettenförmig angeordnet, fleischig, von oblanzettlich-spatelförmiger Gestalt, etwa 3-5 cm lang und 1-1,5 cm breit, mit zurückgerolltem Rand und einer gefiederten Oberfläche mit regelmäßig halbkreisförmigen, wellig-gezähnten Lappen und abgerundetem Apex. Die Stängelblätter sind kleiner und fast ganzrandig.
Die Blüten sind zwittrig und tetramere, in wenig dichten endständigen Trauben gesammelt, mit sehr kurzen Blütenstielen (2-7 mm), fast gleich lang wie der Kelch. Der Kelch ist sehr behaart, mit Kelchblättern bis zu 9 mm lang, grau-violett gefärbt, die seitlichen Kelchblätter an der Basis sackförmig. Die Kronblätter sind obovalförmig und 3-5 x 14-17 mm groß, meist rosa-lilafarben oder violett, selten weiß, mit ausgeschnittener Spitze und gelblich-weißlicher Basis im Schlund. Der Androeceum ist tetradynam, mit vier Staubblättern, wobei die zwei oberen länger sind als die zwei unteren, der Griffel ist sehr kurz.
Die Frucht ist eine Schote, 40-70 mm lang und 2-3 mm breit, zylindrisch und bedeckt mit steifen wolligen Haaren gemischt mit Drüsenhaaren, mit deutlich ausgeprägter Mittelrippe. Das auffälligste Merkmal sind die drei spitzen Hörnchen an der Spitze, 3-4 mm lang, wobei die zwei seitlichen abstehend oder zurückgebogen sind, die der Pflanze ihren spezifischen Namen geben. Die Samen sind uniseriat, oval und bei Reife flügellos.
Das Wurzelsystem ist zart, geeignet für das Wachstum in sandigen Substraten.
Habitat und Verbreitung
Die Meeresvioletta ist eine typische Art der Mittelmeerküsten, mit Verbreitung von Spanien bis Griechenland, einschließlich des mediterranen Macchia-Gebiets des italienischen Festlands, Korsikas und des französischen Var. Sie wächst vorwiegend in psammophilen Lebensräumen, also auf sandigen und kiesigen Stränden, Küstendünen und Meeresstränden, auch auf den Mittelmeerinseln, wo sie auch sandige Innenbereiche besiedeln kann.
Sie bevorzugt sonnige Standorte und gut drainierte Böden, typisch für Strandhabitate mit thermophilen und psammophilen Eigenschaften. In Italien kommt sie häufig an den tyrrhenischen und adriatischen Küsten bis zu einer Höhe von 100 Metern vor.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juli, mit Höhepunkt in den Monaten Mai und Juni. In einigen Gebieten mit milderem Klima oder günstigen Mikroklimata kann die Blüte bereits im April beginnen und bis Juli andauern. Es sind keine signifikanten geografischen Variationen der Blütezeit bekannt.
Ökologie und Bestäubung
Die Meeresvioletta ist eine einjährige Art, die sich gut an dynamische Küstenumgebungen mit sandigen und salzhaltigen Böden anpasst. Die duftenden, violetten Blüten ziehen verschiedene Bestäuberinsekten an, darunter Bienen und Schmetterlinge, die die entomophile Bestäubung fördern.
Das Vorhandensein einer tetrameren Blüte mit tetradynamem Androeceum deutet auf eine Anpassung an spezialisierte Bestäuber hin, während die Fruchtstruktur mit den drei spitzen Hörnchen die mechanische oder sekundäre Samenverbreitung erleichtern kann, obwohl keine spezifischen Studien zur Verbreitungsweise vorliegen. Die Keimung erfolgt bevorzugt in sonnigen sandigen Substraten, mit guter Fähigkeit zur Besiedlung gestörter Lebensräume.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Es sind keine spezifischen traditionellen Nahrungs- oder Heilverwendungen für diese Art dokumentiert, vermutlich aufgrund ihrer auf Küstenlebensräume beschränkten Verbreitung und ihrer einjährigen, eher bescheidenen Natur. Der gebräuchliche Name „Meeresvioletta“ leitet sich von der charakteristischen Blütenfarbe und dem marinen Habitat ab.
Die Gattung Matthiola ist Pietro Andrea Mattioli gewidmet, einem Arzt und Botaniker aus Siena des 16. Jahrhunderts, bekannt für die Übersetzung und Kommentierung des Werkes von Dioskurides, grundlegend für die antike Botanik und Medizin.
Etymologie
Der Gattungsname Matthiola ehrt Pietro Andrea Mattioli (1500-1577), einen bedeutenden italienischen Botaniker und Arzt. Das spezifische Epitheton „tricuspidata“ stammt vom griechischen „tréis, drei“ und dem lateinischen „cuspis, Spitze oder Dorn“ und bezieht sich auf die drei charakteristischen Spitzen, die die Schote abschließen, ein unterscheidendes Merkmal der Art. Der gebräuchliche Name „Meeresvioletta“ bezieht sich auf die violette Blütenfarbe und das marine Küstenhabitat, in dem die Pflanze wächst.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, Flora d'Italia
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (scheda di Anja Michelucci)
- Tela Botanica / H. Coste, Flore descriptive et illustrée de la France
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (10 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Brassicaceae
- Vollständiger Name
- Matthiola tricuspidata (L.) R.Br.
- Synonyme
- Cheiranthus tricuspidatus L.
- Lebensform
- Terofite scapose
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