Pflanzenart
Blackstonia perfoliata
(L.) Huds.
Durchwachsener Bitterling
Beschreibung
Morphologische Beschreibung
Einjährige oder mehrjährige krautige Pflanze, meist 10 bis 50 cm hoch, gekennzeichnet durch einen aufrechten, robusten, kahlen und glauken Stängel, der im oberen Bereich einfach oder verzweigt sein kann. Die Oberfläche des Stängels ist glatt und leicht wachsartig, was ein bläuliches oder grau-grünes Aussehen verleiht. Die Blätter sind gegenständig, sitzend und meist an der Basis um den Stängel herum verwachsen, was ein durchwachsenes Aussehen erzeugt, wovon der Artname herrührt. Die Grundblätter sind eiförmig-lanzettlich, während die Stängelblätter eher dreieckig oder lanzettlich sind, mit ganzrandigen und oft mucronaten Rändern. Die Größen variieren von 6 x 12 mm bei den Grundblättern bis zu 8-14 x 15-26 mm bei den mittleren Blättern, die in der Regel ein Sechstel bis ein Drittel der Internodienlänge erreichen.
Die Blüten erscheinen in terminalen, mehr oder weniger gegabelten Blütenständen mit 2-4 cm langen Blütenstielen. Die Krone ist trichterförmig und hat einen Durchmesser von etwa 10-15 mm, leuchtend gelb bis gelb-grünlich, mit 6-8 strahlenförmig angeordneten, gelappten Lappen, deren Ränder im Knospenstadium oft verdreht sind. Der Kelch ist tief in lineare Lappen geteilt, etwa 9-10 mm lang, mit deutlicher Mittelrippe und fast bis zur Basis getrennt. Das Androeceum umfasst 6-10 Staubblätter mit länglich bis linearen Antheren, die sich nach der Öffnung nicht zurückbiegen. Der Griffel ist fadenförmig und abfallend, mit zweilappiger Narbe.
Die Frucht ist eine ellipsoidische Kapsel, 6-10 mm lang, die sich durch zwei Klappen (septizid) öffnet, umgeben vom bleibenden Kelch und der verwelkten Krone. Die Samen sind zahlreich, klein, mit netzartig-vertieften Oberflächen und bräunlich-schwarzer Färbung. Das Wurzelsystem ist typisch für mediterrane krautige Pflanzen, mit faserigen, aber nicht besonders ausgeprägten Wurzeln.
Habitat und Verbreitung
Diese Art hat eine überwiegend eurimediterane Verbreitung, mit einem Areal, das sich entlang der Mittelmeerküsten erstreckt und nach Norden und Osten bis in einige gemäßigte Kontinentalgebiete reicht. In Italien ist sie in verschiedenen Regionen vertreten und wächst bevorzugt in feuchten Habitaten oder auf tonigen und sandigen Böden, wie Senken, feuchten Wiesen, Kiefernwäldern und Straßenrändern. Sie ist bis zu einer Höhe von etwa 1400 Metern über dem Meeresspiegel häufig.
Bevorzugt sonnige oder teilweise schattige Standorte mit gut durchlässigen, aber feuchtigkeitsspeichernden Substraten. Sie besiedelt Übergangsbereiche zwischen feuchten und trockenen Zonen, wie Lichtungen und Waldränder oder gestörte Flächen.
Blütezeit
Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis August, mit möglicher Verlängerung bis September in südlicheren Gebieten oder bei günstigen Mikroklimaten. Die Blütezeit ist im gesamten mediterranen Verbreitungsgebiet relativ konstant, kann jedoch durch Höhenlage oder klimatische Bedingungen leicht variieren.
Ökologie und Bestäubung
Die Pflanze wird hauptsächlich von bestäubenden Insekten besucht, die von der leuchtend gelben Blütenfarbe und der trichterförmigen Krone angezogen werden, welche den Zugang zu Nektar und Pollen erleichtert. Zu den Bestäubern gehören verschiedene Hymenopteren (Bienen, Hummeln) sowie andere phytophage Insekten, die die Blüten zur Nahrungsaufnahme aufsuchen.
Die Samenverbreitung erfolgt durch das Öffnen der septiziden Kapseln, die die Samen auf den umliegenden Boden freisetzen. Die netzartige Oberfläche der Samen kann eine gewisse Verankerung im Substrat begünstigen, während der bleibende Kelch möglicherweise eine sekundäre Verbreitung durch Wind oder Tierkontakt unterstützt.
Kuriositäten und traditionelle Verwendung
Die Pflanze ist bekannt für die enthaltene bittere Glykosidverbindung Genziopicrin, die ihr bittere-tonische Eigenschaften verleiht, ähnlich der Genziana lutea. Traditionell wurde sie in der Volksmedizin als Aufguss zur Appetitanregung und Förderung der Verdauung verwendet.
Früher wurde der gelbe Centaur auch als natürliche Färberpflanze für Textilien genutzt, aufgrund der gelblichen Pigmentierung der Blüten, obwohl diese Verwendung heute weitgehend aufgegeben ist.
Trotz der officinellen Eigenschaften ist es wichtig zu betonen, dass pharmazeutische und ernährungsbezogene Anwendungen nur zu Informationszwecken dienen und keine offiziellen medizinischen oder wissenschaftlichen Empfehlungen ersetzen.
Etymologie
Der Gattungsname leitet sich vom englischen Botaniker des 18. Jahrhunderts James Blackstone ab, dem die Benennung gewidmet ist. Der Artname „perfoliata“ bezieht sich auf die Eigenschaft der Stängelblätter, die fast vollständig an der Basis um den Stängel verwachsen sind und so ein durchwachsenes Aussehen erzeugen.
Der italienische Trivialname „centauro giallo“ verweist auf die leuchtende Blütenfarbe und verbindet sich mit der volkstümlichen Tradition, bittere und tonische Pflanzen mit der mythologischen Figur des Zentauren zu assoziieren, einem Symbol für Kraft und Medizin.
Quellen
- Prof. S. Pignatti, Flora d'Italia
- Acta Plantarum - Flora delle regioni italiane (scheda di Mirna Medri)
- Tela Botanica / H. Coste, Flore descriptive et illustrée de la France
- World Flora Online (WFO)
Merkmale
Wo ich sie gefunden habe (6 Beobachtungen)
Klassifikation
- Reich
- Plantae
- Familie
- Gentianaceae
- Vollständiger Name
- Blackstonia perfoliata (L.) Huds.
- Synonyme
- Gentiana perfoliata L.
- Lebensform
- Terofite scapose
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